
Outcross
Die Gesunderhaltung einer Rasse
Outcross/Backcross
Ein ganz spezielles Zuchtprogramm
Was bedeutet Outcross/Backcross
Die beiden Begriffe werden in der Zucht-Biologie oder Genetik nicht ganz genau definiert und unterschiedlich angewendet. Einfach gesagt wird die Einkreuzung anderer Rassen in eine bestehende Rasse als Outcross bezeichnet. Gehören die eingekreuzten Tiere zur Gründerrasse der Rasse, die gezüchtet wird, kann dies als Backcross definiert werden.
Es gibt noch einige weitere Definitionen für die beiden Begriffe, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte.

Die Ausgangslage:
Die Definition von Zucht ist das Erreichen bestimmter Merkmale in der Nachzucht durch gezielte Auswahl der Elterntiere.
Eine Rasse entsteht aus unterschiedlichen Gründen auf unterschiedliche Arten. Während Arbeitsrassen oft durch Selektion jener Tiere, die die gewünschte Arbeit am besten erledigen, anfangs oft recht willkürlich entstehen, werden Rassen, die eher als sogenannte Begleiter und Gesellschaftshunde gehalten werden, durch gezielte Verpaarung bestimmter anderer Rassen oder auch Mischlinge hervorgebracht.
Hat sich mal ein Typ etabliert, wird oft unter einem Zuchtverband ein Standard festgelegt, an dem sich die Weiterzucht orientiert. Es ist deshalb leicht nachvollziehbar, dass Züchter durch verschiedene Methoden versuchen, Welpen zu züchten, die dem Standard in hohem Masse entsprechen. Dabei wird auf die biologische natürliche Auslese meistens kein besonderer Wert gelegt.
Folgen der Rassezucht
Durch die Verpaarung gezielt ausgewählter Elterntiere wird zwar ein sehr einheitlicher Typ Hund - Exterieur wie auch Wesen - erreicht. Die negativen Folgen dieser Vereinheitlichung sind jedoch nicht zu unterschätzen. Einerseits sind es die immer gleichen Gene, die für gewisse Merkmale codieren und deshalb im Erbgut gehäuft vorkommen, andererseits wird der Genpool künstlich eingeengt, da immer nur wenige Tiere aus der Nachzucht selber wieder in die Zucht einfliessen. Tauchen Defektgene auf (durch Mutation oder Gene, die erst in doppelter Anlage zu gesundheitlichen Problemen führen) kann sich das in einer Rasse mit engem Genpool verheerend auswirken.


Die Lösung
Um dem Problem des engen Genpools und der dadurch entstehenden Inzuchtdepression entgegen zu wirken, haben wir in unserem Verein (Schweizerischer Rasseclub Silken Windsprite, SSW) zum Ziel gesetzt, durch gezielte und konsequente Einkreuzung der Ursprungsrassen des Silken Windsprite seine Population genetisch sinnvoll zu erweitern. Mit gezielten Verpaarungen streben wir eine Nachzucht an, die in zwei bis drei Generationen wieder dem ursprünglichen Silken entsprechen, jedoch über ein deutlich vielseitigeres Genom verfügen.
Back to the roots
Wie alle heutigen Hunderassen, ist auch der Silken Windsprite aus einer Mischung von verschiedenen Hunderassen entstanden. Der Rassegründer Walter Wheeler jr. hat zwar immer auf eine genetische Spontanmutation der Whippet Hündin Shot Silk bestanden, aus welcher er die neuen langhaarigen Whippets ab 1958 gezogen haben will. Seit der Möglichkeit der Gentests hat diese Entstehungsgeschichte aber kaum noch Bestand. Die Gentests bezeugen, dass die Rasse sehr viel Whippet- aber auch Sheltieblut führt. In einigen Linien finden sich auch noch Barsoigene.
(Z.B. Ein Silken mit Jahrgang 2018 trägt laut Genanalyse 62,5% Whippet, 25% Sheltie und 12,5% Barsoi)
Der Silken Windsprite wird nun seit einigen Jahrzehnten fast rein gezüchtet. Das heisst, es werden vorwiegend Silken Windsprites mit Silken Windsprites verpaart, und nur ganz selten, vor allem in den USA, Whippets zur Blutauffrischung eingekreuzt. Diese Outcrosses bzw. Backcrosses (Rückkreuzungen) bringen zwar 50 % neue Gene in die nächste Generation aber mit jeder weiteren Generation Reinzucht wird dieser Gewinn wieder verwässert. Ausserdem wird der Silken Windsprite durch die einseitige Einkreuzung nur der einen Urspungsrasse sowohl vom Exterieur, wie aber auch im Wesen (Hasenschärfe und andere Charaktereigenschaften) dem Whippet immer ähnlicher.
Der ursprüngliche Typ soll ein fröhlich verspielter, gut führbarer, clownartiger Hund sein und seinem Namen Silken = Seidig und Windsprite = Windkobold alle Ehre machen.
Ein noch grösseres Problem stellt aber leider, wie bei sehr vielen Rassehunden, der enge Genpool dar. Weltweit sind alle Silken Windsprites miteinander verwandt. Wenn wir als Züchter eine Verpaarung planen, rühren wir lediglich in einem Glas mit immer gleichen Genen ohne neue dazugeben zu können. Rechnerisch kann man sicher noch die eine oder andere gute Verpaarung machen, aber neue Genetik entsteht dabei nicht.
Aus diesen Gründen ist es dringend nötig, nicht nur viel mehr Outcrosses/Backcrosses zu machen sondern nebst dem Whippet auch den Sheltie wieder mit ins Zuchtgeschehen zu nehmen. So können wir den Urtyp des Silken bewahren und auch in der Zukunft noch Freude an gesunden und langlebigen Hunden haben.
Weitere Literatur dazu finden Sie hier:
https://www.sitzplatzfuss.com/die-themen/ausgabe-51/
https://www.instituteofcaninebiology.org/blog/the-catastrophe-of-cross-breeding-meet-the-borgis?
https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=21557
FB Gruppen wie Funktional breeding: https://www.facebook.com/groups/261063501512796
oder: https://www.facebook.com/groups/639597814615325

Saniro mit 16 Monaten, Mix aus Sheltie x Silken Windsprite